Eine wissenschaftliche Skizze für den Holzbau der Zukunft
Projekt
Das Projekt RealLab FTC One hat zum Ziel, ein wegweisendes, revolutionäres Konzept im Bauwesen zu etablieren. Es dient als lebendes Labor zur Erforschung und Anwendung zukunftsweisender, nachhaltiger Holzbautechnologien. Dabei bezieht es sich vordergründig auf zukünftiges Bauen mit Holz unter geänderten Rahmenbedingungen, durch den fortschreitenden globalen Waldumbau. Im Herzen des Erzgebirges entsteht ein dreigeschossiges Forschungsgebäude in Massivholzbauweise. Die Besonderheit liegt im konsequenten Verzicht auf Klebeverbindungen sowie in der Verwendung unterschiedlicher, regional verfügbarer Laub- und Nadelholzarten.
Prinzipskizze
Die Besonderheit liegt in der Verwendung unterschiedlicher, regional verfügbarer Laub- und Nadelholzarten sowie im konsequenten Verzicht auf Klebeverbindungen.
Massivholzbauten und Cradle-to-Cradle-Prinzip
Das Bauwerk wird nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entworfen, um vollständige Wiederverwendbarkeit sowie nach deren Gebrauch eine 100% rückstandsfreie Wiederzuführung der Materialien in die Natur zu gewährleisten. Dies erfordert die Entwicklung von inhomogenen, schadstoff- und leimfreien Massivholzbauteilen, die ausschließlich mechanisch verbunden sind. Die Forschung hierzu konzentriert sich auf die konstruktive Entwicklung eines neuartigen Wandaufbaus, bei dem Holz-Holz-Verbindungen im Vordergrund stehen. Dies beinhaltet die Analyse von Holzart, Dicke, Faserausrichtung und den Verbindungsdetails. Die robotische Fertigung der Bauteile und Versuchskörper wird dabei eine zentrale Rolle spielen, um Präzision und Effizienz zu gewährleisten.
Interdisziplinäre Forschung und Nachhaltigkeit
Das Projekt bündelt interdisziplinäre Kompetenzen, die weit über die reine Konstruktion hinausgehen. Dabei spielen die verschiedenen Akteure des Projektes eine wichtige Rolle:
- Holzbau Kretschmar: Die Fa. Holzbau Kretschmar tritt nicht nur als Bauherr, sondern auch als auszuführender Betrieb innerhalb des neu zu errichtenden Innovations-Baus auf. Fertigung und Errichtung werden durch das Team unter der Leitung von Ralf Kretschmar realisiert.
- Fraunhofer IBP: Das Fraunhofer IBP übernimmt die hygrothermische Simulation von Bauteilen, um das Feuchteverhalten und die Dauerhaftigkeit der Holzquerschnitte über den Jahresverlauf zu analysieren. Es werden hygrothermische Materialeigenschaften ermittelt, um die Funktionalität zu überprüfen. Darüber hinaus werden auch Sozio- und Technoökonomiethemen durch das Fraunhofer IBP beleuchtet: Ein Fokus liegt auf der Akteurs- und Umfeldbetrachtung sowie der Schaffung resilienter, regionaler Wertschöpfungsketten. Eine Lebenszyklusanalyse (LCA) und Szenarioanalysen werden die ökonomischen Vorteile über den gesamten Lebenszyklus beleuchten. Dies soll die Relevanz des Projekts für Politik und Markt untermauern und die Dringlichkeit des Themas bekräftigen.
- HTWK Leipzig: An der HTWK Leipzig werden durch dynamische FE-Analysen im Holzbau und den Einsatz von maschinellem Lernen in CAD-Software zur Erstellung parametrischer Geometriemodelle eine Materialminimierung angestrebt. Darüber hinaus können sowohl neu zu entwickelnde Fertigungstechniken unter Einsatz automatisierter, robotischer Fertigung erprobt und umgesetzt werden, aber auch alle notwendigen Zulassungen betrachtet werden.
- IHD Dresden: Das IHD Dresden wird sich innerhalb des Projektes dem Thema des Material- und Gebäudemonitoring. Es steuert die materialseitige Forschung bei, insbesondere das Feuchtemonitoring mittels innovativer Technologien wie Kabelradar oder holzbasierter Monitoring-Systeme (KRL-Methode). Die biologische Beständigkeit gegen Schimmel und holzabbauende Pilze wird mittels Oberflächenfeuchte- und Widerstandsmessungen überwacht. Ergänzend werden die gesundheitlichen Auswirkungen naturbelassener Holzprodukte auf die Raumluftqualität und das Wohlbefinden der Nutzer untersucht.
Gesamtziel ist bei allen Akteuren eine signifikante Steigerung der Nachhaltigkeit auf allen Gebieten des umzusetzenden Bauwerkes: Das Bauwerk soll durch die konsequente CO₂-Speicherung und die Nutzung regionaler Holzressourcen den ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu konventionellen Bauweisen signifikant reduzieren. Die resultierenden Emissions- und Energieeinsparungen sollen es – in Kombination mit sinnvoll eingesetzter Haustechnik – zu einem Plusenergiegebäude machen.
Forschungsfragen und Transfer
Die zentralen Forschungsfragen umfassen die technischen Parameter für eine vollständige Rückbaubarkeit, den Einfluss spezifischer Werte auf die Bauteilfeuchte, die Reduktion des CO₂-Fußabdrucks durch regionale Holznutzung und die besten Sensorstrategien zur ökologischen Überwachung. Im sozioökonomischen Bereich wird untersucht, wie der Holzbau die gesellschaftliche Akzeptanz für zirkuläres Bauen beeinflusst und wie die im RealLab FTC One geschaffenen Inventionen in skalierbare, wirtschaftlich tragfähige Innovationen überführt werden können.
RealLab FTC One zeigt, wie Holzbau neu gedacht und nachhaltig umgesetzt werden kann.
Wenn Sie mehr über die Forschung, die Ergebnisse oder mögliche Kooperationen erfahren möchten, nehmen Sie Kontakt auf und gestalten Sie mit uns den Holzbau der Zukunft.